Zusätzliche Lektüre

Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation für die Gestaltung und Durchführung von schulischen Ernährungsprogrammen in der Europäischen Region

Ernährungs- und Lebensmittelpolitik für Schulen

  • Lebensmittelhilfsprogramme können dazu beitragen, Ernährungsunsicherheit in Bevölkerungsgruppen mit einem hohen Risiko für Mangelernährung zu reduzieren, darunter Kinder, Frauen im gebärfähigen Alter und ältere Menschen.
  • Schulernährungsprogramme können nährstoffreiche Lebensmittel verteilen und gesunde Essgewohnheiten bei Kindern fördern.
  • Schulernährungsprogramme sollten Nachhaltigkeit fördern und viele Interessengruppen (Lehrer:innen, Eltern, lokale Einzelhändler usw.) in die Entwicklung und Umsetzung der Programme einbeziehen.

Die WHO empfiehlt die folgenden fünf Schritte für die Planung und Umsetzung eines Ernährungsprogramms an Schulen:

  1. Bilden Sie eine zentrale Aktionsgruppe.
  2. Führen Sie eine Basisbewertung der Ernährungssituation an der Schule durch.
  3. Entwickeln Sie eine Lebensmittel- und Ernährungspolitik basierend auf den WHO-Empfehlungen für gesunde Ernährung und einen aktiven Lebensstil für Kinder und Jugendliche unter Berücksichtigung von vier Schlüsselelementen: Schulgemeinschaft, Lehrplan, Schulumgebung sowie Schulernährungs- und Gesundheitsdienste.
  4. Entwickeln Sie einen Aktionsplan in der zentralen Aktionsgruppe.
  5. etzen Sie den Aktionsplan um, überwachen und bewerten Sie ihn.

Mittagsmahlzeiten: Mittagsmahlzeiten sollten im Durchschnitt ein Drittel des täglichen Nährstoffbedarfs der Schüler:innen abdecken. Die Mahlzeiten sollten den Ernährungsrichtlinien für eine gesunde Ernährung von Kindern folgen und in einem freundlichen Speisesaal eingenommen werden, der den Kindern genügend Zeit gibt, ihre Mahlzeit auszuwählen und zu genießen.

Frühstücksmahlzeiten: Das Auslassen des Frühstücks wird mit Konzentrationsmangel, Unpünktlichkeit und schlechterer schulischer Leistung bei Kindern in Verbindung gebracht. Das Frühstück hilft Schüler:innen, sozial mit ihren Mitschüler:innen zu interagieren und impulsives Essen zu reduzieren. Lokale Bauern und Bäuerinnen können in Frühstücksprogramme eingebunden werden, um lokale Produkte wie Milch und Joghurt bereitzustellen. 

Verkaufsautomaten: Verkaufsautomaten mit Softdrinks und aromatisierten Getränken sollten an Schulen für jüngere Kinder nicht erlaubt sein. Falls vorhanden, könnten sie dazu genutzt werden, gesündere Optionen wie Wasser, Milch, frische Fruchtsäfte und fettarme Snacks (z. B. Obst und Gemüse, Sandwiches und Milchprodukte) anzubieten.

Obst-, Gemüse- und Milchabonnements: Die meisten Schüler:innen erreichen nicht die empfohlene Menge an Obst und Gemüse (mindestens fünf Portionen am Tag). Zudem scheint der Konsum von Obst und Gemüse mit dem Alter abzunehmen. Obst- und Gemüseprogramme in Zusammenarbeit mit lokalen Bauernhöfen können den Verzehr von Obst und Gemüse in der Schule fördern. Ebenso können Schulmilchprogramme den Milchkonsum fördern und Kindern helfen, die kein Frühstück essen, ihre Konzentration in der Schule aufrechtzuerhalten.

Zugang zu Wasser: Viele Kinder trinken nicht ausreichend Wasser, und nicht alle Schulen bieten Zugang zu Trinkmöglichkeiten. Dehydrierung kann bei Kindern zu Konzentrationsmangel, Müdigkeit und Reizbarkeit führen. Schulen sollten einen freien Zugang zu Wasserstationen sicherstellen und den regelmäßigen Wasserkonsum während des Schultages fördern.

Bildung und Lehrplan: Sowohl das Personal als auch die Schüler:innen sollten über gesunde Ernährung und die Prinzipien einer gesunden Ernährung aufgeklärt werden. Der Lehrplan sollte auch Ernährungsbildung beinhalten und eine Vielzahl von Themen abdecken, darunter:

  • Ernährung und persönliche Gesundheit
  • Zubereitung, Konservierung und Lagerung von Lebensmitteln
  • Ernährung und emotionale Entwicklung (z. B. Körperbild)
  • Lebensmittelproduktion, -verarbeitung und -verteilung, einschließlich Nachhaltigkeit
  • Der Einfluss soziokultureller Parameter auf Essgewohnheiten..
  • Die Einbindung der Eltern erhöht die Wirksamkeit von Programmen, indem das Bewusstsein für Lebensmittel und Ernährung geschärft wird, sodass die Vielfalt der Ernährung und die Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel zu Hause erhöht werden können.
  • Die Essgewohnheiten von Kindern verändern sich durch die Beobachtung von Gleichaltrigen und Erwachsenen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder nicht nur die Nahrungsaufnahme ihrer Eltern nachahmen, sondern auch deren Einstellung zu Lebensmitteln und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Viele Studien weisen darauf hin, dass Kinder die ungesunden Essgewohnheiten ihrer Eltern übernehmen.

Gemeinschaft: Die Schulgemeinschaft spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger Lebensmittelhilfsprogramme. Die Zusammenarbeit zwischen Schulpersonal, Schüler:innen, Eltern, Nichtregierungsorganisationen und Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft ist entscheidend, um nachhaltige Ernährungsprogramme an Schulen zu fördern.

Lokale Einzelhändler und Bauern/Bäuerinnen: Lokale Bauern/Bäuerinnen und Einzelhändler (Kioske, Imbisswagen) sollten ermutigt werden, Verträge mit Schulen abzuschließen. Die Zusammenarbeit zwischen Bauern/Bäuerinnen und Schulen bietet viele Vorteile, von der Bereitstellung nahrhafter, saisonaler und regionaler Lebensmittel bis hin zu Ausflügen, bei denen Kinder mehr über Lebensmittelproduktion, Nachhaltigkeit und ökologische Themen lernen können.

Medien und Öffentlichkeitsarbeit: Öffentlichkeitsarbeit über soziale Medien für schulische Lebensmittel- und Ernährungsinitiativen fördert die Einbindung der lokalen Gemeinschaft und hilft Eltern, über die in der Schule stattfindenden Aktivitäten auf dem Laufenden zu bleiben.

  • Die Programmevaluation sollte darauf abzielen, das Ausmaß der Umsetzung, das Engagement für das Programm, die Reichweite, die Nutzung von Materialien, Umweltfaktoren, den Lehrplan, die Einbindung der Eltern in Aktivitäten, die Schulverpflegung, die Unterstützung durch das Personal und die Gemeinschaft zu analysieren.
  • Für jede Intervention müssen spezifische Indikatoren und Methoden entwickelt werden, wobei Peer Educators, Klassenzimmerbeobachtungen oder Beobachtungen der Schulmahlzeiten verwendet werden können.
  • Die Umsetzung des Lehrplans kann durch die Entwicklung von Methoden bewertet werden, die einen Vergleich der vom Lehrpersonal selbst gemachten Beobachtungen im Klassenzimmer sowie der Anwesenheit in der Schule, der Einbeziehung der Familie und der Hindernisse für eine Ernährungsumstellung ermöglichen.